Dienstag, 18. Dezember 2012

Tierische Weihnacht?

Noch kein Weihnachtsgeschenk? Na, dann los! .. aber bitte keine Tiere!!

Dieser Blogpost hätte vom Zeitpunkt her eiiigentlich schon eher kommen sollen, denn wie wir es in der Tierarztpraxis wieder erleben, es ist wieder aktuell. Und zwar geht es um Weihnachtsgeschenke. Allerdings nicht irgendwelche, sondern die, die eigentlich lieb gemeint, aber oft zu wenig überlegt sind: Tiere.
>Es ist keine Seltenheit, dass Kinder ihren Eltern Ewigkeiten in den Ohren liegen, weil sie sich einen Hund, eine Katze, Kaninchen, ein Pony, einen ganzen Zoo plus Bauernhof u.s.w. wünschen. Irgendwann kommt der Weihnachtsgeschenke-Stress und damit oft die spontane Idee "Schenken wir doch ein Haustier!". Andere vereinbaren vorher Regeln und Bedingungen mit den Kindern, wie zum Beispiel gute Noten, aber sehr, sehr oft: "Aber dann kümmerst du dich um das Tier! Gehst mit ihm raus, kämmst es und putzt das Klo / Gehege!". Mal ganz ehrlich: jedes Kind, dass sich ein Haustier sooo sehr wünscht, willigt sowas ein. Aber Fakt ist: sie sind sich dessen doch meistens gar nicht bewusst, was das heisst, was das für eine Verantwortung mit sich bringt und dass ein Tier für mehrere Jahre da ist. Meistens läuft das so, dass die Abmachungen am Anfang schön eingehalten werden und mit der Zeit nachlassen. Aber wieso ist das so? Jeder weiss, Interessen ändern sich - und bei Kindern schnell! Besonders wenn sie dann langsam älter werden und andere Dinge im Kopf haben. Schlussendlich bleibt alles dann doch an den Eltern hängen.
Ich gestehe, mein Kater war auch ein Geburtstagsgeschenk an mich, aber daher kann ich auch aus Erfahrung sprechen: funktioniert nur in seeehr seltenen Fällen. Auch ich hab meinen Eltern alllllles versprochen, was sie von mir erwarteten; musste aber vorher jahrelang betteln, dass das überhaupt mal zur Debatte stand, eine Katze zu haben. Irgendwann (1998) war es tatsächlich soweit und mein Charlie trudelte bei uns ins Haus. Das mit dem Kistchen sauber machen hielt.. hm.. vielleicht 4-5 Monate an oder so und ab da wurde es dann irgendwann nicht mehr sooo cool, ständig hinzurennen. Dann war eh langsam Sommer und da wollte man doch lieber draussen spielen..! xD Mich packte ab und zu wieder der Ehrgeiz, wenn meine Eltern sagten: "Charlie gehört jetzt Mama, weil sie immer alles machen muss und du nichts!". Das fand ich nicht so cool und bemühte mich wieder - für kurze Zeit..
Es ist nun mal einfach so, dass Kinder das irgendwann satt haben und die, die sich drumherum schlängeln können, die tun's. In unserer Familie ging das, aber ich seh's bei uns in der Praxis, dass das oft zu Problemen führt und wenn die Tiere dann allen zu lästig werden, so schiebt man sie ins Tierheim ab. Im Grunde liegt der Fehler einfach darin, dass man sich das zu wenig überlegt hat und weil sich die Eltern einfach dessen bewusst sein müssen: Ganz egal, was Ihr Kind hoch und heilig verspricht, im Endeffekt sind Sie für das Tier verantwortlich und nicht selten, bleibt es an Ihnen hängen. Bleibt dafür überhaupt die Zeit nebst der Arbeit?

Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist der Faktor "Kosten". Tiere kosten! Angefangen beim Futter, über zu den Accessoires, Utensilien wie Näpfe, Kratzbäume, Spielzeug und dann Hundesteuer, Kurse, etc. Hinzukommt dann noch der Tierarzt. Impfungen, Chip, Kastration ist soweit irgendwie der Standart. Aber Tiere können wie wir Menschen krank werden und das auch ernsthaft. Sie können viele gleiche Krankheiten wie wir bekommen, müssen operiert werden, brauchen gegebenenfalls Spezialfutter, Medikamente und hey Leute, das ist zum Teil wirklich teuer! Wir erleben es so oft, wie manche aus allen Wolken fallen, wenn man ihnen diese und jene Preise nennt und ich persönlich finde es am aller härtesten, wenn die Besitzer bereit wären, alles für ihre Lieblinge zu tun und allen Aufwand auf sich zu nehmen, es aber nicht können, weil ihnen das Geld dazu fehlt.
Wir im Team haben schon mehrmals darüber diskutiert und es ist leider echt sehr oft so, dass die Tiere zu unüberlegt angeschafft werden oder Abmachungen getroffen werden, auf die man sich nicht zu 100% verlassen kann. Ich bin da ein gutes Beispiel dafür. Man weiss, dass ich meinen Kater echt liebe und ich würde alles für ihn tun. Schon damals hab ich es nicht mal toleriert, dass irgendwer es überhaupt wagen würde, schlecht über meinen "Piitchui" zu reden. Ich wurde auch oftmals gehänselt als "Katzenfreak" und so. Aber selbst ich konnte meinen Versprechungen nicht gerecht werden.

Es gibt Tierheime, die zur Weihnachtszeit keine Tiere mehr platzieren um eben die Leute darauf aufmerksam zu machen, dass sie keine Gegenstände sind sondern Lebewesen, für die man für diverse Jahre die Verantwortung übernimmt. Das Tier konnte sich nicht aussuchen, wo dass es leben wird und wenn ihr euch für ein Haustier entscheidet, dann seid aber auch bitte so fair und bietet ihm ein würdiges Leben mit viel Liebe, Zeit und Freude und allem, was es braucht - es wird es euch danken!

Daher: Tiera ja, aber nicht unter dem Weihnachtsbaum, im Osternest oder zum Geburtstagskuchen dazu. Diese Anschaffung will gut überlegt sein, ob man das alles tragen kann, wer "wirklich" die Verantwortung trägt (und ein 8-jähriges Kind kann das nun mal nicht..!) und ob es auch von den Arbeitszeiten her überhaupt drin liegt. Ansonsten kauft man sich vorerst lieber mal ein Stofftier oder so, denn das bringt von allen den geringsten Aufwand und Bindung mit sich.